Die Wirbelsäule

Um die Problematik eines Bandscheibenvorfalls zu verstehen, ist es aus meiner Sicht zwingend notwendig, eine genaue Vorstellung vom Aufbau der Wirbelsäule zu haben und die Funktion ihrer einzelnen Bestandteile zu verstehen.

Mir war vor meinem Bandscheibenvorfall zwar ungefähr klar, wie die Wirbelsäule aussieht. Ein konkretes Bild über die genauen Zusammenhänge hatte ich aber nicht. Das änderte ich durch die Lektüre verschiedenster Bücher, von denen ich auch einige in meinen Buchtipps vorstelle. Die Ergebnisse meiner Lektüre habe ich hier kurz zusammengefasst.

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist die zentrale Stütze unseres Körpers und in Sachen Mechanik ein wirklich ausgefuchstes System. Es gibt kaum ein anderes Körperteil, das so unterschiedlichen Belastungen standhalten muss. Sie trägt einen Großteil unseres Körpergewichts und ist dabei so flexibel, dass die verschiedensten Bewegungen wie etwa das Bücken dennoch möglich sind.

Gleichzeitig umhüllt die Wirbelsäule das in ihrem Inneren liegende Rückenmark und schützt somit unser zentrales Nervensystem. Weiterhin ist sie über das Kopfgelenk mit dem Schädel und über das Iliosakralgelenk mit dem Becken verbunden.

Die Wirbelsäule wird in fünf Bereiche eingeteilt:

  • Halswirbelsäule (Pars cervikalis), bestehend aus den 7 Halswirbeln C1 bis C7
  • Brustwirbelsäule (Pars thorakalis), bestehend aus den 12 Brustwirbeln Th 1 bis Th12, an denen jeweils eine Rippe auf jeder Seite ansetzt
  • Lendenwirbelsäule (Pars lumbalis), bestehend aus den 5 Lendenwirbeln L1 bis L5

Darunter befindet sich der nicht bewegliche Teil der Wirbelsäule, der aus 8 bis 10 untereinander verwachsenen Wirbeln besteht, die das Kreuzbein S1 – S5 (Os Saccrum) und Steißbein  (Os coccygis) bilden.

Zählt man alle Wirbel zusammen, kommt man je nach Mensch auf die Summe von 32 bis 35. Die 24 Wirbel der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sind beweglich. Sie werden über 23 Bandscheiben miteinander verbunden.

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Quelle: Wikipedia

Form der Wirbelsäule

Betrachtet man die Wirbelsäule von der Seite, fällt auf, dass sie geschwungen ist. Die Halswirbelsäule weist eine Biegung nach vorne auf (Lordose), die Brustwirbelsäule wölbt sich nach hinten (Kyphose), die Lendenwirbelsäule wieder nach vorne und das Kreuz- und Steißbein als Einheit wieder nach hinten. Insgesamt ergibt sich damit eine doppelt S-förmige Krümmung.

Diese komische Form der menschlichen Wirbelsäule hat einen ausgeklügelten mechanischen Nutzen. Sie dämpft bei unserem aufrechten Gang nämlich Stöße ab, ähnlich wie bei einem Federstab.

Von hinten bzw. betrachtet bildet die Wirbelsäule eine annähernd gerade Linie.

Die Wirbelkörper

Jeder einzelne Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper, dem Wirbelbogen, zwei Querfortsätzen, einem Dornfortsatz und vier Gelenkflächen. Der Wirbelbogen umspannt eine Öffnung. Alle Wirbel übereinandergeschichtet bildet diese Öffnung den Wirbelkanal. Durch ihn verlaufen die zentralen Nerven und das Rückenmark.

Die Wirbel schließen zu den jeweils benachbarten Wirbeln mit einer Deckplatte ab. An diesen Deckplatte sind die benachbarten Wirbel jeweils über eine Bandscheibe und zwei Bänder miteinander verbunden.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Die Quer- und Dornfortsätze der Wirbel dienen zum Ansatz von Bändern und Muskeln und bei den Brustwirbeln als gelenkige Verbindung zu den Rippen. Erst durch diese „Krafteinleitungspunkte“ kann Bewegung in der Wirbelsäule entstehen.

Auf der Seite des Wirbelkanals sitzen an jedem Wirbel vier Gelenkfortsätze. Diese bilden die gelenkige Verbindung zwischen den Wirbeln. Sie klinken sich sozusagen in die darüber- oder darunterliegenden  Gelenkfortsätze ein und bilden so eine Art Scharnier, das Bewegung zulässt.

Die Wirbelgelenke werden von Bändern gehalten. Eine Muskelgruppe um jedes Gelenk ist durch Sehnen mit den Wirkelkörpern verbunden. Die einzelnen Wirbel werden von kleinen Muskelgruppen, den sogenannten Stabilisatoren, überspannt. Diese Stabilisatoren korrigieren die Haltung der Wirbelsäule und sind häufig an einem Schmerzgeschehen beteiligt, denn sie werden beim Training oft vergessen. Darüber liegen größere Muskelgruppen, die Mobilisatoren, die die Bewegungen des Körpers steuern. Die Extensoren ziehen die Wirbelsäule zusammen oder strecken sie.

Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern treten Nervenstränge, die im Rückenmark entspringen, aus den Wirbelaustrittslöchern (Foramen) aus und verästeln sich von dort in die zu versorgenden Körperregionen. Im Falle eines Bandscheibenvorfalls sind es häufig die Außenhülle des Rückenmarks oder diese austretenden Nerven, die durch den hervortretenden Gallertkern gereizt oder gedrückt werden.

Quelle: Wikipedia

Die Bandscheiben

Die menschliche Wirbelsäule enthält 23 Bandscheiben. Sie fungieren quasi als Stoßdämpfer zwischen jeweils zwei benachbarten Wirbelkörpern und ermöglichen Bewegungen wie z.B. Drehen, Beugen und Neigen.  Nur zwischen Kopf und erstem Halswirbel und erstem und zweitem Halswirbel hat der Mensch keine Bandscheibe.

Bandscheiben bestehen aus Knorpel und haben zwei wesentliche Bestandteile. Der Faserring schließt direkt an das Knorpelgewebe des Wirbelkörpers an. Er umschließt den Gallertkern der Bandscheibe. Dieser besteht zu ca. 90 Prozent aus Wasser und bildet sozusagen eine Art Kissen zwischen den Wirbeln. Die Bandscheiben sind im Halswirbelbereich 3 mm, im Bereich der Brustwirbel 5 mm und im Bereich der Lendenwirbelsäule 7 mm dick und entsprechend der Krümmung der Wirbelsäule keilförmig ausgebildet.

Quelle: Wikipedia

Unter Druckbelastung verlieren die Bandscheiben Wasser. Dieser Höhenunterschied wird nachts, wenn der Mensch liegt und die Bandscheibe nicht mehr belastet ist, wieder ausgeglichen. So ist ein Mensch am Morgen ca. 1-2 cm größer ist als abends. Dieser Prozess ist zugleich auch der einzige Weg, wie die Bandscheibe mit Nährstoffen versorgt werden kann, denn sie verfügen über keine eigene Blutversorgung. Der Wechsel zwischen Be- und Entlastung ist also der einzige Weg, wie die Bandscheibe ernährt werden kann. Der Lastwechsel führt zu einem osmotischen Prozess, bei den Wasser regelrecht in die Bandscheibe gesaugt wird. Regelmäßige Bewegung ist demnach also der einzige Weg, eine Bandscheibe gesund zu halten.

Die Bandscheiben verteilen die auf die Wirbelsäule einwirkenden Kräfte gleichmäßig auf die gesamte Wirbeldeckplatte. Der Gallertkern trägt dabei etwa 75 %, der äußere Faserring ca. 25 % der Kräfte. Bei jungen Menschen kann eine Bandscheibe rund 800 Kilogramm an Gewicht tragen.

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